„Und da es ja um Tillmann geht, kommt er in die Mitte“, sagt sie und legt ein Bild vor mir auf den Tisch, auf dem mein Kind mich mit im Kinetic-Sand vergrabenen Händen glücklich anstrahlt. Ich merke, wie ich kurz dünnhäutig werde. Wie sehr wir an diesem Tisch, wir als Familie und die Gesellschaft da draußen einen Anteil und einen Einfluss darauf haben, wie gut es Tilli geht. Und ich sehe wie sehr er mit seinem Strahlen einen Einfluss auf mich und alle hat, denen er begegnet. Ich muss schlucken, bevor ich die einzelnen Teilbereiche durch Entfernung zu Tillis Lächeln als Ressource oder Ziel einstufen soll.
Bereich für Bereich stelle ich mir Tilli vor, sehe was er kann und was noch schwerfällt. Gemeinsam benennen wir alles was uns an ihm und seinen Möglichkeiten auffällt. Bei Lernen & Wissensanwendung sehen wir ihn trotz vorhandener Defizite nah dran, ebenso bei Aufgaben & Anforderungen, während die Kommunikation nach wie vor eine große Baustelle ist. Sie hat ein Fundament und Tilli will, nur zum Können ist es ein weiterer Weg als in anderen Bereichen. Mobilität steht außer Frage, während die Selbstständigkeit noch ein sehr begleiteter Prozess ist. So gehen wir alles durch, bis vor uns ein Bild von Tilli entsteht, welches so ganzheitlich diesen kleinen individuellen Menschen erfasst, dass ich es lange betrachten muss.
Ich höre mir an, was seine beiden Erzieherinnen im Förderplan niedergeschrieben haben. Und ich höre, was sie nicht schreiben konnten und sich doch aus allen Leerzeichen herausliest. Dass Tilli ein Kind voller Potenzial ist, an dessen Zielen sie aktiv teilhaben wollen. Er ist ihnen wichtig und das nicht nur, weil sie ihn ins Herz geschlossen haben und er ein verdammter Charmeur ist. Sie sind ebenso professionell wie menschlich. Sie sind seine größte Chance auf ständiges Lernen, Wertschätzung und Sicherheit. Und egal wie oft ich Danke sage, drückt es nur kümmerlich aus, wie wertvoll sie für ihn und uns sind.