Der Fehlalarm machte jeden weiteren Tag des Übertragens mühsamer als bisher. Nachdem ich am Montag das Krankenhaus wieder mit dem Babybauch verlassen durfte, grüßte täglich das Murmeltier, wenn ich wieder rüber ging, um erneut ans CTG angeschlossen zu werden. Ich erwartete bald, dass die Patienten die sich morgens vor dem Eingang zum quatschen und rauchen trafen, mir aus der Ferne zu grüßend zunickten.
Bis sich die Routine am Mittwochmorgen änderte. Die Kinder waren bereits um 04:30 Uhr wach. Also wach wach. Sowohl Alfi als auch ich, hätten gut mehr Schlaf vertragen können. Es war nicht groß verwunderlich, dass es bereits am Frühstückstisch erste Wutausbrüche, wegen falsch zusammen geklappter Brötchenhälften, dem falsch aufgetragenen Belag und umgekippter Becher gab. Unsere Laune ergoss sich ebenso ungewollt über den Tisch, bis wir einen handfesten unsinnigen Streit über Kindeserziehung im allgemeinen und „Du hast“ bis „Ich will einfach nur“ im Besonderen führten. Nachdem sich alle Luft gemacht hatten und die Reste der Verwüstung beseitigt waren, ging es auch wieder. So ist das nunmal mit vielen Teilen einer Familie. Unser Bauchbewohner fand den morgendlichen Stress allerdings anstrengender, als ich vermutet hätte.
Ans CTG angeschlossen ergaben sich wilde Kurven, die sich auch als kleine und große Ausschläge für alle auf meiner Bauchdecke sichtbar zeigten. Was für die Hebammen durch den morgendlichen Trubel erklärbar war, nahmen die diensthabenden Ärzte ziemlich ernst. Immer neue Gesichter kamen ins Wehenzimmer, blickten besorgt auf die Auf und Abs, besprachen sich dann wieder vor der Tür, legten mir Lavendeltücher auf die Brust und erhofften sich, dass unser Kind zur Ruhe käme.
Nach 1 1/2 Stunden dann das ernste Gespräch einer Ärztin mit mir. „Es muss natürlich nichts heißen, aber statistisch gesehen, ist das nicht gut. Ihr Kind könnte dadurch auf einen Infekt aufmerksam machen, den wir von außen nicht sehen. Sie hatten halt erst vor zwei Jahren eine Sectio, wir müssen einfach vorsichtig sein. Spüren sie etwas an der Narbe?“ Ich fühle in mich hinein, frage mich, was ich da wenn fühlen würde. Denn das kann mir keiner sagen. von 10.000 Frauen kann es bei 75 zu Komplikationen nach einer Sectio unter einer spontanen Entbindung kommen. Bin ich eine davon? Ich merke wie es in meinem Kopf kreist. Nehmen wir wieder mal eine Besonderheit mit, die da auf dem Weg liegt? Doch tatsächlich fühle ich nichts Ungewöhnliches. Ich möchte einfach nur nach Hause und meinem Baby und mir Ruhe gönnen. „Nein, ich denke es ist alles ok. Wir brauchen einfach nur Ruhe.“ „Gut, wir möchten Sie vorerst hierbehalten.
Nach dem Mittagessen schreiben wir erneut ein CTG und hoffen, dass sich die Lage normalisiert.“ Ich füge mich und rufe Alfi an, um Bescheid zu geben. „Soll ich kommen?“ Da rauchen mich kurz meine Ängste und Sorgen um. Ich nicke stumm ins Telefon und Alfi reagiert prompt: „Pass auf, ich schreibe hier noch kurz zwei Mails und komme dann mit deiner Kliniktasche. Das wird schon.“